Lexikon-Eintrag
PIENITZ, Ernst Gottlob
Der Name klingt vertrauenserweckend für eine Heil- und Pflegeanstalt: Pirna-Sonnenstein. Und schon kurz nach der Gründung 1811 wurde er zum Synonym für eine fortschrittliche Psychiatrie, die sich eine humanere Betreuung und die Heilung der Patienten statt der bloßen Verwahrung zum Ziel gesetzt hatte. Doch 1940 und 1941 stand Pirna-Sonnenstein für Menschenverachtung und Tod. Damals wurden auf dem Gelände der kurz zuvor geschlossenen Anstalt etwa 15.000 Kinder, Frauen und Männer vergast. Ermordet wurden vor allem psychisch Kranke und geistig Behinderte, aber auch Häftlinge aus Konzentrationslager; der Sonnenstein gehörte im Nationalsozialismus zu den sechs Tötungsanstalten im Rahmen der sogenannten Aktion T 4. Zurück ins 19. Jahrhundert. Die Eröffnung der „Königlich Sächsischen Heil- und Verpflegungsanstalt Sonnenstein“ am 8. Juli 1811 war sichtbarer Ausdruck der Reformbestrebungen des „Irrenwesens“ in Sachsen. Als eine der ersten Einrichtungen in Deutschland war die ...
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